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Präsidium

Seit einem halben Jahr steht Peter Barandun als alleiniger Präsident an der Spitze von Swiss-Ski. Im Interview spricht der Bündner über seine ersten Monate in neuer Rolle, über Wachstumspotenziale, über olympische Begegnungen und darüber, worauf der Erfolg des Schweizer Schneesports beruht.

 

Nach vielen Jahren in der Rolle des Vizepräsidenten bist du nun seit vergangenem Oktober der Präsident von Swiss-Ski. Welche neuen Facetten von Swiss-Ski hast du seither kennengelernt?

Peter Barandun: Neu hinzugekommen ist die Führung der Verbandsleitung um Claudia Lämmli sowie die Co-CEOs Walter Reusser und Diego Züger. Die Strategie, Wirkung und Kultur von Swiss-Ski noch direkter prägen zu können, ist ein Privileg. Anlässlich der Olympischen Spiele durfte ich alle unsere Teams vor Ort besuchen – der Kontakt zu ihnen hat sich dadurch intensiviert. Ich war tief beeindruckt vom Teamspirit und der hochprofessionellen Arbeit, die geleistet wird. Die Aufmerksamkeit gegenüber meiner Person hat sich verändert, und meine Verantwortung für den Verband ist massiv gestiegen. Verantwortung zu tragen ist jedoch etwas, das mir seit jeher grosse Freude bereitet.

Nicht erst seit du Präsidiumsmitglied von Swiss-Ski bist, spielt der Skisport und der Sport im Allgemeinen eine wichtige Rolle in deinem Alltag. Was hast du dank des Sports für dein Leben gelernt?

Seit ich mich erinnern kann, spielt der Sport in meinem Leben eine wichtige Rolle. Das Kompetitive, das der Sport mit sich bringt, fasziniert mich. Sport ist eine Lebensschule und dient als Wertekompass. Der Sport bot und bietet mir die Chance, mit Menschen unterschiedlicher Herkunft, mit verschiedenem beruflichem Hintergrund und aus unterschiedlichen Hierarchiestufen zusammenzukommen. Es bereitet mir grosse Freude, Athletinnen und Athleten bei der Ausübung ihrer grossen Leidenschaft zu unterstützen – aktuell in meiner Rolle als Präsident von Swiss-Ski.

Du bist Familienvater, bei Electrolux Schweiz Chef von rund 450 Mitarbeitenden, übst mehrere Verwaltungsratsmandate aus und bist nun als Präsident von Swiss-Ski viel unterwegs. Wie gelingt es dir, alles unter einen Hut zu bringen?

Diese Frage wird mir häufig gestellt. Es gibt Personen, die das bewundernd zur Kenntnis nehmen; andere haben Zweifel. Ich bin der Überzeugung: Wie man sich sein eigenes Umfeld gestaltet, so lebt man. Das heisst: Bevor ich neue, zusätzliche Aufgaben angehe, mache ich eine saubere Auslegeordnung. Alles ist sorgfältig mit meinem Zuhause und meiner Familie abgestimmt. Ich spüre von meiner Frau und meinen Kindern sehr grossen Rückhalt. Wäre dem nicht so – hätten sie sich also mit meinen vielen Abwesenheiten während des Winters schwergetan –, hätte ich mich nicht für die Wahl zum Swiss-Ski-Präsidenten zur Verfügung gestellt. Von meinem Arbeitgeber Electrolux spüre ich ein enorm hohes Vertrauen. Dass ich meine Rolle als CEO und Verwaltungsratspräsident von Electrolux Schweiz weiterhin vollumfänglich ausüben kann, ist nur dank der Unterstützung eines eingespielten Führungsteams möglich. Den Rückhalt meiner Familie und meines Arbeitgebers zu spüren, gibt mir enorm viel Energie. Und doch bin ich etwas erstaunt: Aktuell fühle ich mich körperlich und mental besser als vor einem Jahr.

Keystone-SDA

Worauf lag dein Fokus im ersten halben Jahr als Swiss-Ski-Präsident?

Der Fokus lag auf der Vertiefung des Wissens und dem Verständnis der Wirkungszusammenhänge bei den wichtigsten Themen rund um den Schneesport. Bei einzelnen Themen war ich früher nur am Rand involviert. Im Zusammenhang mit der FIS wollte ich die verschiedenen Mechanismen sowie die Zusammenarbeit mit den anderen Verbänden noch detaillierter kennenlernen. Zudem ging es mir in den ersten Monaten darum, mich vertieft mit unseren nordischen und Freestyle-Sportarten auseinanderzusetzen. Potenziale zu identifizieren – bezogen auf Swiss-Ski im Sport- und im kommerziellen Bereich – ist hingegen ein fortlaufender Prozess, wenn man ein Unternehmen respektive einen Verband erfolgreich führen will. Ein grosses Anliegen war es mir zudem, die wichtigsten Stakeholder von Swiss-Ski rasch kennenzulernen. Während mir die Repräsentantinnen und Repräsentanten unserer Partner schon seit längerem bestens bekannt sind, ergaben sich für mich in den vergangenen Wochen und Monaten viele neue und interessante Begegnungen mit Vertreterinnen und Vertretern aus Sport und Politik. Eine sehr wichtige Aufgabe, die ich mir für meine Anfangszeit als Präsident gestellt habe, war es, gemeinsam mit der Verbandsleitung Zielbilder und eine neue Führungskultur zu definieren. Während mehrerer Jahre hatten sie einen anderen Ansprechpartner; nun mussten sie mich und ich sie besser kennenlernen. Das war von Beginn weg ein sehr interessanter und gewinnbringender Prozess.

Wie würdest du deinen Führungsstil beschreiben?

Ich betrachte die verschiedenen Themen gerne mit einer gewissen Distanz und versuche dabei, die strategischen Komponenten zu berücksichtigen. Ich muss nicht über alles detailliert Bescheid wissen, sondern dort, wo es entscheidend ist. Mein Führungsstil ist verantwortungsvoll, leistungsorientiert, reflektiert und vertrauensbasiert. Ich gebe den Mitarbeitenden viel Raum, versuche Mikromanagement konsequent zu vermeiden und delegiere gerne. Wichtig ist mir, vorzuleben, was ich von anderen einfordere. Ich arbeite auch gerne im Hintergrund.

Swiss-Ski hat seinen Umsatz in den vergangenen Jahren enorm gesteigert. Wo siehst du noch weiteres Wachstumspotenzial?

Zentral ist unser grosses Projekt D2C – Direct-to-Consumer. Mit einer vernetzten, digitalen Kommunikation wollen wir unsere Mitglieder und Schneesportfans eng begleiten – von zu Hause bis direkt an den Event. Mit digitalen Inhalten schaffen wir gezielt Berührungspunkte und stärken so die Bindung zur Marke Swiss-Ski. Die Sportmarketingwelt befindet sich im Umbruch – geprägt von neuen Technologien, neuen Kanälen und verändertem Nutzerverhalten. Dadurch können wir direkt mit unseren Fans und Mitgliedern interagieren. Aufmerksamkeit ist für uns entscheidend: Ohne entsprechende Reichweite gibt es weniger Einnahmen aus Sponsoring und Medienrechten. Deshalb müssen wir unser Publikum vermehrt über neue Kanäle aktivieren und gezielt auf unsere eigenen Plattformen führen. Wir bauen ein eigenes Ökosystem auf – mit App, Website, Store, Events, Memberships und Resultate-Hub. Reichweite allein genügt jedoch nicht. Entscheidend ist, unsere Schneesport-Community zu kennen, zu binden und zu aktivieren – und die uns geschenkte Aufmerksamkeit zu monetarisieren. Datenbasiertes Targeting erhöht zudem die Wirksamkeit des klassischen Sponsorings und ermöglicht zusätzliche Einnahmen. Unser Ziel ist es, dass in der Schweiz rund 500'000 Personen direkt mit Swiss-Ski verbunden sind. Das schafft einen grossen Mehrwert – für uns als Verband, für unsere Partner und für die Schneesportfans selbst. Mit diesem Projekt sind wir anderen Verbänden, aber auch vielen Unternehmen in der Privatwirtschaft, voraus.

Welche neuen Geschäftsfelder gilt es aus deiner Sicht zu erschliessen, damit sich der Verband weiterentwickeln kann?

Die entscheidende Frage ist aus meiner Sicht nicht, was noch dazukommen soll, sondern ob wir allenfalls auf bestimmte Dinge verzichten sollten. Unsere Tätigkeiten gilt es stets kritisch zu hinterfragen. Wir sind in den letzten Jahren stark gewachsen – unser Rucksack ist heute so voll wie noch nie. Es gilt immer wieder sorgfältig zu prüfen, ob und wo in unserem Angebot ein Umbau sinnvoll wäre. Prüfenswert sind beispielsweise zusätzliche Stiftungsmodelle für unseren Nachwuchs. Das, was wir im Bereich Forschung und Entwicklung gemeinsam mit unseren Innovationspartnern erarbeiten, kann uns auf dem Schnee den entscheidenden Hundertstel-Vorsprung verschaffen. Solche Partnerschaften – etwa mit Hoch- und Fachhochschulen – gilt es weiter auszubauen. Wir sind überzeugt: Der gezielte Ausbau der Bereiche Forschung, Entwicklung und Medizin hilft uns, nachhaltig erfolgreich zu sein. So sehe ich in der Verletzungs- oder Krankheitsprävention beispielsweise weiterhin grosses Potenzial – über alle unsere Sportarten hinweg.

Swiss-Ski besitzt mit sämtlichen grossen Partnern und Ausrüstern langfristige Verträge – ein Zeichen von grosser gegenseitiger Wertschätzung. Gibt es eigentlich eine Art Warteliste mit bekannten Firmen, die dereinst gerne in eine freiwerdende Sponsoring-Lücke stossen würden?

Wir dürfen uns angesichts unserer stabilen Partnerstruktur sehr glücklich schätzen. Die langjährigen Sponsoring-Partnerschaften sind ein grosser Vertrauensbeweis in die Arbeit von Swiss-Ski. Tatsächlich gibt es einige Unternehmen, die gerne eine Partnerschaft mit uns eingehen würden. Swiss-Ski geniesst im Schweizer Sponsoring-Markt eine ausserordentlich hohe Beliebtheit. Partner unseres Verbandes zu sein, gilt als Qualitätssiegel. Wir verfügen deshalb über eine hervorragende Ausgangslage im Markt – nicht zuletzt, weil der Skisport in der Schweiz ein Kulturgut und Nationalsport ist.

Swiss-Ski ist sportlich seit Jahren auf Erfolgskurs. Neben mehr als 100 Podestplätzen im Weltcup gab es im vergangenen Winter 17 Olympia-Medaillen zu bejubeln. Hast du manchmal Angst, aus einem wunderbaren Traum zu erwachen?

Nein, das habe ich nicht. Unsere Medaillen und Top-Platzierungen sind kein Zufall. Wir sind sehr ehrgeizig und selbstkritisch und suchen unternehmerisch stets nach neuen Potenzialen. Unser tägliches Handeln hinterfragen und analysieren wir kontinuierlich – so, wie es notwendig ist, wenn man nachhaltig erfolgreich sein will. Unser Ziel ist es, möglichst breit aufgestellt zu sein, um mögliche Ausfälle auffangen zu können.

Du hast die Olympischen Spiele vor Ort hautnah miterlebt. Was ist dir dabei besonders in Erinnerung geblieben?

Unsere grossartigen Athletinnen und Athleten haben mich bei Olympia stark beeindruckt. Wie schon den ganzen Winter über haben sie mehrheitlich die erwarteten Leistungen oder noch bessere abrufen können. Ich durfte alle unsere Teams an den verschiedenen Standorten in Bormio, Cortina, Livigno, im Val di Fiemme und in Antholz besuchen. Diese Treffen mit den Athletinnen und Athleten sowie ihrem Umfeld waren für mich jeweils sehr eindrücklich. Bei Olympia hat mich nicht der Medaillensegen am meisten beeindruckt, sondern die Menschen: jene, die innerhalb ihrer Teams Verantwortung übernehmen, füreinander einstehen und gemeinsam Grosses erreichen wollen. Überall spürte ich einen tollen Teamspirit – je nach Sportart jeweils auf eine etwas andere Art und Weise. Besonders in Erinnerung geblieben ist mir der Besuch bei den Skispringern. Mit ihren Verantwortlichen haben wir am Mittag noch gemeinsam mit unseren Alpin-Männern bei der Team-Kombination mitgefiebert. Nachdem es dort Gold und Silber gegeben hatte, sagte ich: Jetzt sei es an der Skisprung-Equipe, auch einmal eine Medaille zu holen. Da haben sie nur gelacht. Niemand hat ernsthaft daran geglaubt, dass das möglich ist. Und dann, ein paar Stunden später, stehen wir in Predazzo an der Schanze – und Gregor Deschwanden hat Bronze um den Hals. Was sich dort abgespielt hat, ist kaum zu beschreiben. Diese immense Freude im gesamten Team – herrlich. Eine solche Gefühlsexplosion im positivsten Sinne habe ich zuvor selten erlebt. Ich durfte in Italien wirklich das gesamte Spektrum an Emotionen erleben. Vereinzelt war ich auch bei Wettkämpfen dabei, bei denen Schweizer Athletinnen und Athleten grosse Enttäuschungen verkraften mussten. Tatsächlich war es sogar so, dass ich vereinzelt von den Olympia-Eindrücken geträumt habe.

Mit Marco Odermatt, Franjo von Allmen und Loïc Meillard verfügt Swiss-Ski über mehrere Aushängeschilder der obersten Kategorie. Welche Bedeutung haben solche Ausnahmeathleten für den Verband – abgesehen von Olympia-Medaillen und Weltcup-Kristallkugeln?

Wir erleben eine aussergewöhnliche Phase – und ja, auch Glück gehört dazu. Drei solche Ausnahmeathleten gleichzeitig zu haben, ist ein Geschenk. Österreich hatte mit Marcel Hirscher eine prägende Figur. Wir hingegen verfügen derzeit über mehrere Athleten auf diesem Niveau. Rund um solche Persönlichkeiten können sich neue künftige Topathleten entwickeln – und zwar in aller Ruhe. Ohne Druck, weil sie nicht sofort bereitstehen müssen, um im Weltcup eine Lücke zu schliessen. Im Gegenteil: Besonders im Speed-Bereich ist die Pipeline von unten derzeit gut gefüllt. Vielversprechende Talente stehen bereits in der Warteschlange. Noch vor ein paar Jahren hätten sie längst einen Platz im Weltcup erhalten. Athleten wie Odermatt, Von Allmen und Meillard verschaffen Swiss-Ski mit ihren Leistungen und ihrer Ausstrahlung eine enorme Medienpräsenz. Das wiederum macht uns als Verband für Sponsoren äusserst attraktiv.

Trotz gewichtiger Absenzen auf Frauen-Seite gelang es Swiss-Ski, zum sechsten Mal in den vergangenen sieben Jahren den Nationencup im Ski Alpin zu gewinnen. Welches sind die wichtigsten Teile in diesem Erfolgspuzzle?

Wir wollen strukturell so aufgestellt sein, dass wir gewichtige Ausfälle wie aktuell jenen von Lara Gut-Behrami verkraften können. Wie bereits erwähnt, muss es stets unser Anspruch sein, an der Spitze mit einer gewissen Breite vertreten zu sein. Bei der systematischen Talentförderung leisten wir derzeit sehr gute Arbeit. Der strategische Entscheid, 30 Prozent mehr Athletinnen und Athleten in die Swiss-Ski-Kader aufzunehmen, trägt Früchte. Die Durchlässigkeit, die früher kaum vorhanden war, ist heute gegeben. Ein Beispiel dafür ist Sandro Simonet: Er ist zwar aus allen Swiss-Ski-Kadern ausgeschieden, erhielt aufgrund seiner Leistungen ausserhalb der Verbandsstrukturen jedoch dennoch von Swiss-Ski einen Startplatz für einzelne Weltcup-Rennen. Zudem haben wir heute deutlich mehr Mut, sehr jungen Athletinnen und Athleten im Weltcup eine Chance zu geben, damit sie sich auf höchster Stufe beweisen können. Beispiele dafür sind Sue Piller und Dania Allenbach. Was sich ebenfalls seit einigen Jahren auszahlt, ist die grosse personelle Kontinuität im alpinen Bereich. Die Ziele sind klar und konsequent vorgegeben, die Abläufe eingespielt und die Verantwortlichkeiten eindeutig geregelt. Alle ziehen am selben Strang. Wir haben die besten Leute in den Schlüsselpositionen – und das ist matchentscheidend.

Peter Barandun darf während den Olympischen Spielen einigen Athletinnen und Athleten vor Ort zu Topleistungen gratulieren - hier den mehrfachen Medaillengewinnern Loïc Meillard und Marco Odermatt.

Keystone-SDA

Im Snowboard, der zweiterfolgreichsten olympischen Sportart von Swiss-Ski, gab es erstmals überhaupt keinen Olympia-Podestplatz. Welche Gründe können hierfür ins Feld geführt werden?

Zunächst gilt es zu berücksichtigen, dass es im Snowboard je Disziplin nur einen Olympia-Wettkampf gibt – sei es im Snowboard Alpin oder auf der Halfpipe. Im Boardercross kommt zusätzlich noch ein Team-Wettkampf dazu. In diesen Disziplinen hat man also nur eine oder bestenfalls zwei Chancen, im Gegensatz etwa zum Ski Alpin oder zum Langlauf. Sehr erfreulich ist, dass sich viele junge Athletinnen und Athleten in Richtung Weltspitze entwickeln. Noémie Wiedmer verpasste eine Medaille nur hauchdünn, wenige Wochen später stand sie im Weltcup erstmals auf dem Podest. Im Freestyle-Bereich hiess es vor einigen Jahren noch, dass wir gegen die Japaner und Chinesen kaum mehr eine Chance hätten. Inzwischen zeigt sich aber, dass auch hierzulande wieder mehr junge Freestylerinnen und Freestyler nachrücken. An der Junioren-WM gab es in der Halfpipe durch Lura Wick und Mischa Zürcher sogar zwei Medaillen. Und was ich an dieser Stelle, wenn wir über das Freestyle-Cluster sprechen, besonders hervorheben möchte: Im Aerials durften wir erstmals überhaupt zwei Medaillen an ein und denselben Winterspielen bejubeln. Noé Roth hat mich bei meinem Besuch in Livigno enorm fasziniert. Er ist unglaublich nervenstark – immer dann, wenn es an Grossanlässen zählt, zeigt er Topleistungen. Dasselbe gilt für Mathilde Gremaud. Sie ist eine Ausnahmeerscheinung im Freestyle-Sport – und für Swiss-Ski eine Medaillengarantin bei Grossanlässen. Man muss sich das einmal vorstellen: Mit ihren erst 26 Jahren hat sie nun bereits zum dritten Mal in Folge an Olympischen Spielen eine Medaille gewonnen, zum zweiten Mal sogar Gold. Im Skicross zeigte sich im vergangenen Winter unsere grosse Breite an der Spitze eindrücklich – gekrönt von den Olympia-Podestplätzen von Fanny Smith und Alex Fiva. Beide bewiesen unter schwierigen Bedingungen im entscheidenden Moment Nerven aus Stahl.

Gute Nerven braucht es auch am Schiessstand im Biathlon. In diese Sportart hat Swiss-Ski in den vergangenen Jahren viel investiert. Insgesamt steht jedoch eine enttäuschende Saison zu Buche.

Fakt ist, dass es sowohl beim Schiessen als auch bei den Laufleistungen im Vergleich zum Vorjahr insgesamt Rückschritte gab. Wir haben Athletinnen und Athleten, die auf höchstem Niveau performen können – das haben sie in den Jahren zuvor mehrfach bewiesen. Im vergangenen Winter blieben sie jedoch teilweise deutlich unter den Erwartungen. Nun gilt es sorgfältig zu analysieren, woran das lag, und daraus die entsprechenden Massnahmen abzuleiten. Im Nachwuchs gibt es schweizweit einige hoffnungsvolle Talente. Gleichzeitig braucht es Zeit, um an der Basis – in den Skiclubs – eine ausreichende Breite an potenziellen jungen Biathletinnen und Biathleten aufzubauen. Wir hatten gehofft, dass sich diese Entwicklung schneller vollzieht. Rückblickend waren wir in unserem Denken vielleicht etwas zu optimistisch. In anderen Sportarten – nicht nur im Ski Alpin, sondern auch im Langlauf – gibt es traditionell eine deutlich grössere Breite auf der Kinder- und Jugendstufe. Trotzdem möchte ich betonen, dass ich weiterhin stark an Biathlon glaube. Die Sportart bietet attraktive Wettkampfformate, weshalb sie sich europaweit grosser Beliebtheit erfreut. Das wiederum macht Biathlon auch aus vermarktungstechnischer Sicht sehr interessant.

Du hast vorhin Langlauf erwähnt: Hier gab es im vergangenen Winter einige emotionale Augenblicke und letztlich auch einen historischen Moment.

Wie schon vor einem Jahr bei der WM in Trondheim begeisterten unsere Langläuferinnen und Langläufer auch diesmal beim Saisonhöhepunkt. Innerhalb weniger Minuten bot der Teamsprint die ganze Palette an Emotionen: Zunächst das grandiose Rennen von Nadja Kälin und Nadine Fähndrich, das mit Silber belohnt wurde. Unmittelbar danach der grosse Kampf von Janik Riebli und Valerio Grond, die eine Medaille als Vierte nur knapp verpassten und natürlich zunächst enorm enttäuscht waren. Bemerkenswert finde ich, mit welcher mentalen Stärke unsere Athletinnen und Athleten im Val di Fiemme aufgetreten sind. Nadine Fähndrich musste im Einzelsprint eine riesige Enttäuschung verkraften und war danach im Teamsprint überragend. Beeindruckend war auch die Herangehensweise von Nadja Kälin im abschliessenden 50-Kilometer-Rennen, in dem sie sensationell zu Bronze lief. «Jetzt mache ich es wie Klæbo», hat sie sich beim Schlussanstieg kurz vor dem Ziel gedacht. Sie hat sich im entscheidenden Moment am absolut Besten orientiert. Auf diese Aussage wurde ich zuletzt immer wieder angesprochen. Für mich ist das eine Einstellung, der eine absolute Winner-Mentalität zugrunde liegt.

Stephan Bögli

Die erwähnten Erfolge wären ohne ein starkes Fundament nicht möglich. Der Breitensport ist die Basis der gesamten Struktur von Swiss-Ski. Er wurde deshalb in den vergangenen Jahren verbandsintern gezielt gestärkt. Wie macht sich dies bemerkbar?

Wir haben die Ausbildungsangebote für Trainerinnen und Trainer weiterentwickelt, praxisnäher gestaltet und digital ergänzt. Die einzelnen Clubs profitieren von klareren Strukturen, modernen Trainingskonzepten und einer stärkeren Begleitung durch unsere Regionalverbände. Wir sind enger zusammengerückt. Die Nachwuchsförderung erfolgt heute systematischer, und es fliessen mehr Gelder direkt oder indirekt an die Basis. Der Austausch zwischen den Clubs, den Regionalverbänden und Swiss-Ski als Dachverband wurde intensiviert. Die Vernetzung ist deutlich stärker als früher – nicht zuletzt dank Veranstaltungen wie dem President's Day. Das schafft Nähe und Vertrauen zwischen den Schneesport-Clubs, ihren Verantwortlichen und uns von Swiss-Ski. Auch der Wissenstransfer findet heute systematischer statt: Vorbildliche Modelle und Best Practices werden geteilt, statt isoliert gelebt zu werden. Davon profitieren alle.

Grosser Beliebtheit erfreuen sich die verschiedenen Eventserien im Nachwuchs- und Breitensport.

Diese Events, die die Breitensport-Abteilung von Swiss-Ski verantwortet und jeden Winter von Neuem mit viel Herzblut organisiert, sind absolute Magnete. Sie bringen Kinder, Jugendliche und – wie beim Migros Ski Day – sogar ganze Familien mit Begeisterung auf den Schnee. So nehmen beispielsweise jedes Jahr Anfang Januar rund 600 Jugendliche im Alter von 13 und 14 Jahren am JUSKILA teil. An der Lenk erleben sie eine abwechslungsreiche Lagerwoche ganz im Zeichen des Schneesports und der Gemeinschaft. Besonders freut mich, dass wir den Grand Prix Migros, das grösste Kinder-Skirennen der Welt, nun bereits im zweiten Winter auch im Langlauf und Biathlon anbieten konnten. Über alle Eventserien hinweg bringen wir so jährlich rund 50'000 Menschen auf den Schnee. Am Ende geht es dabei um eines: Nachhaltigkeit. Erfolg im Spitzensport ist – wie bereits erwähnt – kein Zufall, sondern das Resultat einer starken und breit abgestützten Bewegung. Wenn wir an der Basis investieren, investieren wir in die Zukunft des gesamten Schweizer Schneesports.

In einem Jahr schwelgen wir hoffentlich in Erinnerungen an grossartige alpine Ski-Weltmeisterschaften in Crans-Montana. Was kommt danach? Welches ist das kommende Leuchtturmprojekt von Swiss-Ski?

Ich glaube nicht an isolierte Leuchtturmprojekte. Wir arbeiten kontinuierlich an Potenzialen – sportlich, kommerziell und strukturell. So wie ein gesundes, erfolgreiches Unternehmen. Das muss die Basis sein. Unser Anspruch ist es, die Besten zu sein. Deshalb gilt es zu forschen, zu entwickeln, kontinuierlich zu benchmarken und letztlich den Schneesport in der Schweiz – vom Breitensport bis zu den Athletinnen und Athleten an der Weltspitze – zu begeistern. Ich wünsche mir sehr, dass die Olympischen Spiele 2038 zu einem Leuchtturmprojekt werden können – für den gesamten Schweizer Sport. Sport sollte, ähnlich wie in Norwegen, Teil der Schweizer DNA sein. Wenn ich dann höre, dass es Bestrebungen gibt, im Sport Geld zu kürzen, ist das für mich – gelinde gesagt – sehr irritierend. Wer so etwas anstrebt, versteht nicht, wofür der Sport steht. Investitionen in den Sport sind für ein Land Investitionen in die Gesundheit der Bevölkerung, in ihre Leistungsfähigkeit und in die gesellschaftliche Stabilität.

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Präsidiumsmitglieder

Präsident: Peter Barandun
Vizepräsident: Stefan Binggeli
Vizepräsident: Claude-Alain Schmidhalter
Vizepräsidentin: Tamara Wolf
Vertreterin IR West: Raphaëlle Favre Schnyder
Vertreter IR Ost: Jörg Abderhalden
Vertreter IR Mitte: Felix Huber

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